"Wer ausbildet, formt sich seine späteren Mitarbeiter" Ausbildungsbetrieb REWE Nahkauf in Groß-Gerau
Johannes Exarchos ist mit Leidenschaft im Einzelhandel und so bildet er auch aus. Wer zu mir kommt, soll den Job auch wirklich machen wollen und sich nicht nur bewerben, um den Eltern einen Gefallen zu tun.“ Denn Einzelhandel, das weiß der gelernte Versicherungskaufmann aus eigener Erfahrung, ist kein einfacher Job. Immer guten Service zu bieten, egal wie schlecht gelaunt man ist oder wie anstrengend die Kundschaft, das ist hart. Es ist einfach ein Kampf, einen Kunden in das Lebensmittelgeschäft hineinzubekommen und ihn dann auch nicht wieder gleich zu verlieren. Das muss den Jugendlichen klar sein.“ Bei seiner Auswahl achtet er deshalb besonders auf das persönliche Gespräch mit den Bewerberinnen und Bewerbern. Mich interessiert gar nicht so sehr, wie gut die Bewerbung geschrieben ist, die sind - dank Internet - heutzutage sowieso fast alle gleich. Im Gespräch spüre ich dann aber ganz genau, ob jemand wirklich Spaß an dieser Arbeit hat und ob jemand lacht, weil er jetzt gerade lachen will oder weil er eben nur genommen werden will.“
Lust am Beruf, die er selbst hat, erwartet er auch von seinen Azubis. Denn wer nicht will, den kann man auch nicht ausbilden.“ Diese Erfahrung hat Exarchos mit einem jungen Mann gemacht, den er von einem Lebensmittelmarkt übernommen hatte, der schließen musste. Der wollte einfach nicht. Selbst Gespräche mit der Sonderberaterin für Ausbildung von der IHK und mit dem Vater des Jungen halfen nicht weiter. Er kam weiterhin zu spät oder gar nicht zur Arbeit.“ Als der junge Mann auf die Frage des Marktleiters, warum er ihn denn weiter behalten solle, keine Antwort wusste, trennte sich Exarchos von dem Azubi.
Es gibt aber auch gute Erfahrungen. Mit der jungen Frau, die derzeit bei ihm eine Ausbildung zur Einzelhandelskauffrau macht, ist der Marktleiter voll zufrieden, vor allem weil sie es auch will und sich Mühe gibt.“ Dabei war der Einstieg mit ihr auch nicht leicht gewesen, denn, so erinnert sich Exarchos, sie war sehr schüchtern, eine Eigenschaft, die im Einzelhandel nicht gerade förderlich ist.“ Inzwischen trägt die Ausbildung auch erste Früchte: Sie hat sich verändert, passt sich der Arbeit an und entwickelt ihre eigene Meinung dazu.“
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Ausbildungsbetrieb REWE Nahkauf in Groß-Gerau
Demnächst wird eine zweite Azubi dazukommen, die sich ebenfalls für eine Ausbildung zur Kauffrau im Einzelhandel beworben hatte. Da sie nur einen Hauptschulabschluss hat, für Einzelhandelskauffrau jedoch Mittlere Reife oder Abitur verlangt werden, macht sie bei Exarchos jetzt eine Ausbildung zur Verkäuferin. Das heißt, sie lernt Kundenberatung, Kassiererin und Regalpflege. Diese beiden Berufe werden oft in einen Topf geworfen. Dabei kann eine Einzelhandelskauffrau zwar auch verkaufen, eine Verkäuferin kann aber umgekehrt nicht deren Job übernehmen.“ Um Kauffrau für den Einzelhandel zu werden, heißt es außer den Tätigkeiten einer Verkäuferin nämlich zusätzlich Warenkunde zu lernen. Da muss man zum Beispiel wissen, dass Sojamilch gut ist für Kuhmilchallergiker, was von einer Sternfrucht zu essen ist, was der Unterschied zwischen Limette und Zitrone ist oder wie ich eine Mango oder Papaya zubereite.“ Und dann geht es natürlich um alle Abläufe in einem Lebensmittelmarkt: Kasse, Disposition, also Bestellungen machen und verwalten, Buchhaltung, Personalverwaltung sowie rechtliche und gesundheitliche Aspekte.
Azubi bei REWE ist, besucht während der Ausbildung zudem spezielle Seminare, die genau auf die Erfordernisse und Geschäftsphilosophie der Lebensmittel-Kette ausgerichtet sind. Damit nicht genug, gibt es parallel zur Schule einmal pro Woche eine Extra-Aufgabe, die im Ausbildungsbetrieb gelöst werden muss. Das kann zum Beispiel sein: Suche dir einen Saisonartikel, etwa Spargel, und plane damit eine Aktion.’ Das muss die Azubi dann bei mir im Markt umsetzen und dazu auch eine Dokumentation anfertigen.“ Zur Inventurzeit, so Exarchos, könne das auch schon mal eine Aufgabe sein, die sich über Wochen hinziehe. Etwa wenn es darum gehe, wie man die Differenzen in der Bilanz dauerhaft verringern könne.
Johannes Exarchos hält dieses Arbeitspensum für die Azubis keineswegs für überfordernd. Ausbildung“, so ist er überzeugt, kann gar nicht anspruchsvoll genug sein.“ Schließlich müssten sie als Einzelhandelskaufleute anschließend selber einen Markt leiten, Personalverantwortung tragen und eigenständig Entscheidungen treffen. Deshalb habe ich als Ausbilder auch sehr viel Verantwortung meinen Azubis gegenüber. Der Sinn der Übung ist ja, dass sie draußen bestehen. Da kann ich einfach nur meine Pflicht absolvieren, bis die Azubis fertig sind, oder ich engagiere mich so, dass sie am Ende wirklich gut ausgebildet sind.“ Einen Rat für andere Unternehmer hat Exarchos nicht: Ausbildung ist mit Arbeit verbunden. Wie für die Azubis gilt: auch wir Ausbilder müssen es wirklich wollen und wir müssen uns darüber bewusst sein, dass wir das Leben dieser Jugendlichen beeinflussen, wenn wir ihnen etwas beibringen.“ Auf jeden Fall, so Exarchos, sei es eine Chance für jeden Betrieb, einen jungen Menschen über drei Jahre so formen zu können, dass er am Ende genau zu dem Unternehmen passt.
Betriebsportrait - Sommer 2005
Kontakt:
REWE Nahkauf
Herr Johannes Exarchos
An der Pforte 48
64521 Groß-Gerau






