"Ein Unternehmen ohne Ausbildungsplatz ist kein Unternehmen" Ausbildungsbetrieb BS. Transport GmbH in Frankfurt
Yusuf Bensaid weiß, was es heißt, auf der Grundlage von nur Wenig doch noch etwas Großes zu machen. Das ist sein Motto und das hat er am eigenen Leib erlebt. Denn bis aus dem gelernten Schlosser ein Transportunternehmer und schließlich die heutige BS. Transport GmbH mit 16 Angestellten, zwei Azubis und einer Tochterfirma mit sechs weiteren Mitarbeitern wurde, war es ein harter Weg. Dabei war Bensaid mit seinem ursprünglichen Beruf durchaus zufrieden gewesen. Doch als er 1996 plötzlich arbeitslos wurde, entschied er sich für die Selbständigkeit. "Mir war klar: Arbeiten kann ich, ich habe Willenstärke und Durchsetzungsvermögen – alles andere wird die Zeit bringen", erinnert er sich heute zurück.
Fördermitteln vom Arbeitsamt kaufte er sich damals einen gebrauchten Transporter und fuhr als Subunternehmer alles, was kam. "Ich ging dabei durch eine harte Schule und begriff allmählich, dass das Transportgeschäft weit mehr ist, als nur Stückgut von A nach B zu fahren." Daher besuchte er neben der Arbeit die Fachschule und absolvierte seine Prüfung als Güterkraftverkehrskaufmann. Für sein Unternehmen ergaben sich daraus neue Perspektiven, er konnte flexibler auf Kundenwünsche eingehen: War seine Fracht bisher nur auf 3,5 Tonnen Fracht beschränkt, konnte er nun mit seiner Ausbildung und entsprechenden Fahrzeugen größere Transporte übernehmen. "Ich mietete mir in Darmstadt zunächst eine kleine Lagerhalle und konnte meinen ersten Mitarbeiter einstellen."
Ein Unternehmen ohne Ausbildungsplatz ist kein Unternehmen"
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Und wieder ging er bald einen Schritt weiter, ganz gemäß seinem Motto. Er erkannte nämlich schnell, dass die guten Kunden am Flughafen sitzen, dort das eigentliche Geschäft zu machen ist. Über seinen Mut, sein Unternehmen nach Frankfurt in die CargoCity Süd zu verlagern, staunt er noch heute. Doch mit diesem Weitblick hat es der 35-Jährige tatsächlich weit gebracht. Er fasste Fuß im Luftfrachtersatzverkehr, sein Unternehmen stabilisierte sich und konnte expandieren. Er gründete inzwischen sogar eine Tochterfirma, die neben Transport und Zwischenlagerung auch Gefahrgutverpackung als Service anbietet.
Seit 2004 bildet Bensaid zum ersten Mal zwei junge Männer aus. Für den Selfmade-Mann ist das ein weiterer Schritt zu seinem Ziel, etwas Großes zu schaffen: "Ich dachte, es sei an der Zeit, zu denen zu gehören, die auch selbst Ausbildungsplätze schaffen. Denn ein Unternehmen ohne Ausbildungsplatz ist kein Unternehmen." Auf die Idee auszubilden kam Bensaid über eine Broschüre der IHK. Nachdem er sich dort gemeldet hatte, prüfte ein Sonderberater die Gegebenheiten vor Ort und gab das O.K., Ausbildungsplätze in einem kaufmännischen Beruf anzubieten. Diese Unterstützung von Seiten der IHK schätzt Bensaid sehr: "Mir ist es ganz wichtig, jemanden an meiner Seite zu haben, den ich rund um die Ausbildung alles fragen kann."
Die künftigen Bürokaufmänner lernen bei ihm alles rund um die Spedition, z.B., wie man disponiert, d.h. welche Maße hat ein Fahrzeug und wie viel Fracht passt hinein? Und wie kommt diese Fracht dann auf kürzestem Weg zum Ziel, über welche Streckennetze? Und sie werden darin geschult, welche Gefahrgutklassen von Chemie bis Sprengstoff es gibt und wie sie transportiert werden müssen. Bensaid ist überzeugt, dass er seine Azubis flexibler und individueller ausbilden kann als große Firmen, bei denen die Ausbildung nach "Schema F" abläuft. "Bei uns muss en Azubi auch selbst mal mit anpacken, kleine Fahraufträge erledigen. So erfahren sie im wahrsten Sinne des Wortes, was es heißt, täglich zu fahren und was an Aufgaben dahinter steckt."
Seinem ersten Azubi Abdelilah, Spitzname Abi, hat Bensaid schon versprochen, ihn zu übernehmen. "Abi bringt sich hier zu 150 Prozent ein. Er kommt sogar, wenn er nicht kommen muss, nur um zu helfen. Ich muss ihn richtig bremsen. Auch in der Schule ist er so gut, dass er nun seine Abschlussprüfung um ein Jahr vorziehen kann." Vorauszusehen war diese Entwicklung nicht, denn er wurde ihm von der IHK als Sorgenkind vermittelt: mit abgebrochener Lehre und jeder Menge Fehlzeiten. Gegen den Rat der eigenen Mitarbeiter nahm Bensaid den jungen Mann dennoch auf. "Ich habe mich selbst in ihm gesehen, als ich jung war. Auch ich hatte ständig Schwierigkeiten in der Schule. Ich wäre dankbar gewesen, hätte sich mir damals so eine Chance geboten." Die Mitarbeiterinnen aus seiner Finanzabteilung haben ihm wegen seiner sozialen Ader ein Schild an die Bürotür gehängt: "Sozialamt. Zweigstelle Flughafen" – ein kleiner Scherz, in dem wohl auch Wahres steckt.
Betriebsportrait - Sommer 2005
Kontakt:
BS. Transport GmbH
Herrn Yusuf Bensaid
CargoCity Süd, Geb. 638 E
60549 Frankfurt
Tel.: 069/ 68 60 39 50






