Startseite Das Projekt Rückschau 2001-2010 Archiv Bentour International

"Erstmal etwas beibringen" Ausbildungsbetrieb Bentour, Internationaler Reiseveranstalter

Auszubildende sind hier willkommen. Beim Reiseveranstalter Bentour wird schon seit Jahren mit Enthusiasmus ausgebildet. Mit verantwortlich für das gute Klima zwischen den rund 30 Mitarbeitern und den Azubis ist Mustafa Toluay, Leiter der Buchhaltung und verantwortlich für die Ausbildung bei Bentour. Er ist im Betrieb der Ansprechpartner für die jungen Leute, aber auch für die ausbildenden Abteilungsleiter und -leiterinnen. "Ich bin hier so eine Art Vater der Azubis", sagt der 43-jährige. "Und wenn es Fragen gibt, kümmere ich mich darum."

Allein schon, dass er das Wort "Fragen" und nicht "Probleme" benutzt, macht deutlich, wie er Ausbildung versteht. "Man kann von einem Azubi nicht sehr viel verlangen. Sie sind ja vor allem da, um etwas zu lernen." Und wenn die Mitarbeiter im Unternehmen das einmal vergessen, dann erinnert er sie daran. "Ich sage immer, dass sie mit Azubis anders umgehen müssen, als mit anderen Angestellten." Konkret heißt das für ihn: "Erstmal etwas beibringen! Denn wenn man die jungen Leute gut in die Arbeit und das Unternehmen einführt, dann geben sie das auch zurück."

Überhaupt herrscht auf der gesamten Etage in der Hanauer Landstraße 551 ein offenes, freundlich wohlwollendes Klima, das auch Besucher sofort zu spüren bekommen. Dieses besondere Arbeitsklima ist es auch, was die beiden Auszubildenden Berkant Akdemir und Merve Özcan besonders schätzen. "Mir gefällt es bestens hier", sagt der 18-jährige Berkant, der seit September 2004 eine Ausbildung zum Bürokaufmann macht. "Die Arbeit macht Spaß. Ich würde gerne auf zweieinhalb Jahre verkürzen und wenn es geht, will ich übernommen werden." Wie gut das Arbeitsklima bei dem Reiseveranstalter mit Mutterkonzern in der Türkei ist, hat sich anscheinend auch bei der Konkurrenz herumgesprochen, denn auf Bentour als Ausbildungsbetrieb kam Berkant über seinen Onkel, der bei einem Konkurrenzunternehmen arbeitet und ihm das Unternehmen wegen der netten Mitarbeiter dort empfohlen hatte.

Auszubildende und Mustafa Toluay

Auch die 17 Jahre alte Merve möchte ihre Ausbildung nirgendwo anders machen: "Es herrscht eine sehr familiäre Stimmung und wir Azubis werden gut behandelt. Ich finde es hier super. Und das zu 70 Prozent", fügt sie hinzu, "allein schon wegen meines Chefs und meines Ausbildungsleiters. Die hab ich echt gern." Sie lässt sich bei Bentour als Reiseverkehrskauffrau ausbilden und will anschließend in der Türkei noch mal drei Jahre für eine Ausbildung zur Hotelfachfrau dranhängen. "Und dann mal sehen."

Für Mustafa Toluay ist es ganz und gar unverständlich, warum so wenige ausländische Unternehmen in Deutschland ausbilden. "Ich finde es sehr schade, dass so viele Firmen davon Abstand nehmen. Ich verstehe nicht, dass sie sich keine Gedanken um die junge Generation machen, die nach ihrem Schulabschluss auf der Straße sitzt. Und das wortwörtlich. Wenn ich durch die Stadt gehe, sehe ich doch, was los ist." Und die bürokratischen Formalitäten und was sonst noch zu erledigen ist, wenn man ausbilden möchte, dafür gebe es schließlich Fachleute von der Industrie- und Handelskammer. Auch er selbst hat sich an solch einen Sonderberater von der IHK gewandt. Als 2003 der damalige Geschäftsführer, der sich bis dahin immer selbst um die Azubis gekümmert hatte, die Firma verließ, rief Toluay bei der IHK an, weil er nun die Azubis weiter betreuen wollte. Einen Ausbildungsschein, damals noch Pflicht, brauchte er dennoch nicht zu machen, da der Diplom-Betriebswirt neben Marketing auch Personal- und Ausbildungswesen als Studienschwerpunkt hatte.

Erstmal etwas beibringen (PDF, 47.8 KB)Ausbildungsbetrieb Bentour, Internationaler Reiseveranstalter

Auch finanzielle Gründe lässt Mustafa Toluay nicht gelten. "Man kann wirklich nicht sagen, dass ein Azubi zuviel kostet. Mit 470 Euro im ersten, 580 Euro im zweiten und dann 710 Euro im dritten Ausbildungsjahr hat ein Unternehmen doch nichts verloren. Mit der Ausbildung hat es dafür aber einem Jugendlichen eine Zukunft gegeben."

Die Azubis durchlaufen bei Bentour in den drei Jahren ihrer Ausbildung alle sechs Abteilungen, also alle Arbeitsbereiche, die zu einem Reiseveranstalter gehören. Die Buchhaltung zum Beispiel, das Finanzzentrum des Unternehmens, deren Chef Mustafa Toluay ist. Hier werden alle geschäftlichen Vorgänge, die Personalangelegenheiten und die Reisebuchungen, abgewickelt Azubi Berkant fühlt sich hier am wohlsten: "Ich liebe Zahlen. Und wenn ich Buchungen für eine 40 Personen-Gruppe ausführen muss, das macht mir einfach Spaß." Selbst die Reklamationen, die hier zu bearbeiten sind, interessieren ihn. "Man muss sich beherrschen lernen, muss höflich und zuvorkommend sein, selbst wenn es manchmal schwierig ist." Merve dagegen gefällt es in der "Produktabteilung" am besten. Hier werden Fremdsprachenkenntnisse benötigt, denn diese Abteilung schnürt die Angebotspakete aus Flug und Hotel, beobachtet den Verkauf, um dann bei Bedarf mit Sonderangeboten auf den Markt zu gehen, verhandelt mit den Hoteliers über Preise und entwickelt daraus alle Kataloge, die dann an die Reisebüros verschickt werden.

Die "Agentur-Betreuung" ist zuständig für die Verträge mit den Reisebüros und beantwortet alle Anfragen. Etwa 18.000 Reisebüros sind bei Bentour in Deutschland, der Schweiz und Österreich registriert. Damit es immer mehr werden, gibt es den "Außendienst", der für den Vertrieb zuständig ist und die Reisebüros vor Ort besucht. Ohne Flugplätze keine Reise – das ist Aufgabe der "Flugabteilung". Die Mitarbeiter hier arbeiten der Produktabteilung zu, damit dort attraktive Urlaubspakete geschnürt werden können.

Das Herz des Unternehmens schlägt jedoch in der "Reservierungsabteilung". "Hier ist das Zentrum", sagt Mustafa Toulay, "hier muss es laufen, der Verkauf ist entscheidend für unsere Existenz." Deswegen verbringen die Azubis auch die meiste Zeit in dieser Abteilung, "damit sie lernen, was und wie sie verkaufen und wie sie sich am Telefon verhalten sollen." Dieses Herz scheint gesund zu sein. Es ist stark und schlägt regelmäßig, denn von 2003 auf 2004 konnte Bentour über 360 Prozent Wachstum verbuchen. In Urlaubern ausgedrückt, heißt das: von 11.000 Reisenden im Jahr 2003 ist die Zahl 2004 auf 61.000 gestiegen. "Und 2005", so Chefbuchhalter Toluay, "erwarten wir nochmals ein immenses Wachstum." Genügend Arbeit also, die Auszubildende erlernen können. Wie gesagt: Azubis sind hier willkommen. TEXT

Betriebsportrait - Sommer 2005

Kontakt:
Bentour International
Mustafa Toluay,
Leiter der Buchhaltung
Hanauer Landstraße 551,
60386 Frankfurt/M.
Tel.: 069-90 43 580
Email: Mustafa.Toulay@bentour.de Internet: www.bentour.de