„In der Ausbildung können Sie sehen, wofür Sie Ihr Geld investiert haben“ Interview mit Gürcan Özkan, Finanz Concept GmbH, Frankfurt
Gürcan Özkan beschäftigt 18 Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen. Der Immobilienfachwirt bildet bereits die sechste Generation an Azubis aus. Etwa 20 Büro- und Versicherungskaufleute sowie Kaufleute in der Grundstücks- und Wohnungswirtschaft hat er "sehr erfolgreich", wie er stolz sagt, ins Berufsleben entlassen. Seine Azubis haben inzwischen Karriere gemacht. "Ich habe ein kleines Unternehmen, das härter ausbildet als große. Denn bei mir kann sich niemand verstecken. Wenn jemand bei mir drei Jahre übersteht, kann er oder sie sich anschließend selbstständig machen." Gürcan Özkan sieht beim Ausbilden jedoch nicht nur den Nutzen für seine Auszubildenden, der Unternehmer weiß auch ganz genau um die eigenen Vorteile, wenn er ausbildet.
Ausbildung in einem großen Unternehmen, ja. Aber lohnt sich das auch für Kleinstbetriebe?
Man kann es auch gerade andersherum formulieren: Große finanzstarke Unternehmen haben die Möglichkeit, auch ausgebildete Fachkräfte auf dem Arbeitsmarkt zu suchen und einzustellen. Sie müssen nicht unbedingt auf Auszubildende zurückgreifen. Sie können es sich leisten, eine Identifikation der Mitarbeitenden auf Zeit einzukaufen. Kleine und mittelständische Unternehmen sind schon eher dazu geneigt auszubilden, da sie die jungen Leute als Nachwuchs brauchen und sie sich externe Fachkräfte nicht leisten können.
Warum bilden dennoch so wenige kleinere Betriebe aus?
- Tiziana Bullo (re) wurde nach ihrer Ausbildung zur Kauffrau der Grund-stücks- und Wohnungswirtschaft als feste Mitarbeiterin übernommen
Der Unternehmer könnte sagen: „Was macht das schon? Dann stelle ich eben die nächste Kraft ein. Hauptsache ich spare Geld.“
Nun, er hat auf jeden Fall zunächst einmal Zeit verloren, in denen er die Arbeitskraft eingearbeitet und vertrauliche Informationen und Arbeitsabläufe weitergegeben hat – an eine Person, die anschließend nur drei, sechs oder neun Monate im Unternehmen gearbeitet hat. Als Geschäftsführer stehen Sie also nach kurzer Zeit erneut vor der Herausforderung, sich um neues Personal kümmern zu müssen. Das heißt, Anzeigen schalten, Arbeitsagentur benachrichtigen, Bewerbungen lesen, Vorstellungsgespräche führen etc. Bis Sie dazu kommen, jemanden neu einzustellen, kann es eine Weile dauern. Das kostet Zeit und Geld.
Ein kleiner Unternehmer kann dies vielleicht ein- bis zweimal pro Jahr machen, dann ist er restlos überfordert. Beim dritten Mal übernimmt er entweder selbst diese Arbeiten, natürlich in Form von Überstunden, oder vernachlässigt als Folge davon seine Haupttätigkeit, womit er sein Geld verdient.
Und was kann dieses Unternehmen nun mit Ausbildung gewinnen?
Nehmen Sie im Vergleich eine angelernte Aushilfe, die einen Stundenlohn Brutto von ca. 12 Euro verdient bei einer durchschnittlichen Wochenarbeitszeit von 30 Stunden. Das ergibt im Monat 120 Stunden x 12 Euro = 1.440 Euro zuzüglich ca. 45 Prozent Sozialversicherung. Ein Auszubildender verdient im Schnitt 700 Euro Brutto zuzüglich Sozialversicherung. Stellt man einen Auszubildenden ein, so hat man zumindest für die nächsten dreieinhalb Jahre einen zuverlässigen und loyalen Mitarbeiter. Man kann davon ausgehen, dass es in den nächsten Jahren keine Gehaltsverhandlungen und Abwerbungen geben wird. Wenn Sie als Unternehmer einem jungen Menschen die Chance geben und sich in den ersten Monaten nachsichtig zeigen, erreichen Sie, dass der Auszubildende in Ihren Unternehmen gewisse Arbeiten mit übernehmen kann. Die Energie, die Sie in den Azubi investieren, wird mindestens für die nächsten dreieinhalb Jahre in Ihrem Betrieb bleiben. Sie können sehen, wofür Sie Ihr Geld investiert haben, und Sie als Unternehmer können wieder beruhigt an Ihre eigentliche Arbeit gehen und sich auf das Wesentliche konzentrieren. Schaffen Sie es, Ihren Auszubildenden zu einen Teil Ihres Unternehmens zu machen, können Sie sogar erreichen, dass Sie nach der Ausbildung einen Mitarbeiter gewinnen, der Ihr Unternehmen von der Pike auf kennt und Sie tatkräftig und hoch motiviert unterstützt.
Interview - Juli 2006






