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Vom Kfz-Mechaniker zum Restaurantbesitzer Eine Erfolgsgeschichte aus dem Frankfurter Westend

Man sieht ihm die Begeisterung an: Aus seinen Augen blitzt und blinkt es, wenn er über sein Restaurant redet. Auch im elften Jahr seiner Existenz als Bar- und später als Restaurantbesitzer ist Luciano Giordano noch kein bisschen müde geworden.

14 Stunden am Tag, sechs Tage die Woche arbeiten? Kein Problem. Und wenn der Ruhetag am Samstag ausfällt, weil Messe ist und sich seine Gäste schon ein halbes Jahr vorher angemeldet haben, um einen Tisch zu ergattern? Auch kein Problem. "Wir machen das gerne", sagt Giordano. Man glaubt es ihm aufs Wort.

Wie er auf die Idee kam, ein Restaurant aufzumachen – schließlich liegt es für einen Automechaniker ja nicht gerade auf der Hand, eine Cocktailbar zu eröffnen? Wie alles, was der 35jährige Giordano erzählt, klingt auch das, als sei es kein Problem gewesen, sondern eher eine Frage des Glücks und der Entschlussfreude. Denn die Autowerkstatt, bei der er als Geselle gearbeitet hatte, machte pleite und er stand ohne Arbeit da.

Also machte sich Giordano, damals gerade mal 24 Jahre alt, auf und schaute sich in seinem Stadtteil um. Dort, im Westend, war er aufgewachsen, zur Schule gegangen, hatte dort sein Abi gemacht, und weiter als auf die Hanauer Landstraße im Osten Frankfurts kam er kaum. "Ich bin übers Westend nicht sehr weit hinausgekommen."

Das brauchte er auch diesmal nicht: Um die Ecke von seiner Wohnung fand er einen leer stehenden Frisiersalon, rief die Nummer an, die am Schaufenster angeschlagen war, verabredete sich für ein Treffen mit der Besitzerin, und man wurde handelseinig. Ihr gefiel die Idee, dass der junge Mann eine Cocktailbar aufmachen wollte. "Damals fing diese Mode gerade an." Einigen Nachbarn gefiel die Idee zunächst weniger. "Sie dachten, ich wollte eine Disco aufmachen!"

Selbstgebaute Möbel und Cocktail-Rezepte aus Büchern

"Ich hatte Glück", berichtet er, "dass die Umbauarbeiten anschließend insgesamt acht Monate dauerten." So lange brauchte es, bis die Toiletten eingebaut waren, Löcher von den Trockenhauben des Salons ausgebessert und Elektroleitungen verlegt waren und was sonst noch so anfiel, ehe er einziehen konnte. Fast alle Möbel, vor allem den metallglänzenden langen Tresen, aber auch die Lampen baute er selbst oder gemeinsam mit Freunden.

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Dass er eine Bar aufmachte, ohne einen Schimmer Ahnung von Restaurantführung zu haben, erscheint ihm auch jetzt noch als das normalste der Welt. Schließlich gibt es ja Hugendubel, ein großes Buchgeschäft in Frankfurt. Mehrere Monate verbrachte er dort in den Lese-Ecken des geräumigen Kaufhauses, studierte Kochbücher, schrieb Cocktail-Rezepte ab, lernte betriebswirtschaftliches Denken und Kalkulieren aus Lehrbüchern, die ihm das beflissene Personal anbot. "Manchmal mussten sie mich abends richtig rauswerfen, weil sie schließen wollten."

Elf Jahre ist es nun her, dass sich Giordano mit seiner Bar ganz in der Nähe der Frankfurter Messe selbständig machte. Die Konzession für die Cocktailbar zu bekommen war - wen wundert´s – "kein Problem." Irgendwann, fünf Jahre später, kam die Idee auf, die Bar um ein Restaurant zu erweitern. Nun gibt es bei ihm Mittagstisch, und abends ist das Restaurant beides zugleich: Esslokal und Bar.

Der Koch als Kompagnon

Zu essen gibt es bei ihm Speisen einer kleinen, aber feinen Karte: spanisches und deutsches, aber vor allem italienisches Repertoire. 2002 machte er, ein geschickter Schachzug, den Koch zu seinem Kompagnon. Klug wie er ist, sagte sich Giordano: "So verwendet Dino eben möglichst alles, was er einkauft, und schmeißt nichts fort." Wenn also Lachs auf der Speisekarte steht und etwas übrig bleibt, gibt´s anderntags halt Fischsuppe. Die Gäste – überwiegend Stammkunden – goutieren es sichtlich: "Wir sind jeden Abend ausgebucht." Seine Kunden sind Leute aus der Nachbarschaft – und Messegäste (nicht nur, aber auch) aus Übersee, die sich aufs Wiedersehen und Essen bei Luciano und Dino, dem Koch aus Apulien, so freuen, dass sie mitunter schon ein Jahr im voraus Tische reservieren.

Ausgebildet hat Giordano erst ein Mal – in seiner Vorzeit als Automechaniker, aber auch das nur für ein Jahr. Dennoch versteht Giordano sehr wohl etwas von Personalführung - immerhin hat er seine Bar (mit seinen 60 Plätzen im Winter und zusätzlichen 60 Plätzen im Freien im Sommer) nicht alleine bewirtschaften können. Wie familiär es bei ihm zugeht, zeigt sich auch daran, dass ihm die Studentinnen, die bei ihm arbeiteten, achteinhalb Jahre lang die Treue hielten: Sie gingen erst, als sie mit den Prüfungen abgeschlossen hatten und sich auf den Einstieg in den Beruf konzentrierten.

Mitte 2006 kam die nächste Veränderung: Eine Bekannte fragte ihn, ob ihr Sohn bei ihm eine Ausbildung machen könne, der habe die Schule satt. Giordano sagte zu. "Ich hatte schon den älteren Bruder unter meinen Fittichen." Die Ausbildungsstationen führen Jakob über die Küche an die Bar und in den Service, wo er lernen muss, die richtigen Weine zum Essen zu empfehlen, zu wissen, wie Panna Cotta gemacht wird, womöglich am Tisch Getränke und Speisen zuzubereiten und wie man am Ende des Abends kassiert. Lächeln muss Jakob nicht mehr lernen. Das kann er schon. Und zwar so keck und schelmisch, dass es Gäste gibt, die nur noch das Eine wollen: Von Jakob bedient zu werden.

Luciano Giordano mag nicht gerade ein weit gereister Mann sein, aber trotzdem kann ihm niemand "ein X für ein U vormachen" – auch wenn sein Azubi Jakob das zu Beginn manchmal versucht hat. "Ich kenne alle Tricks", sagt er. Und auch das glaubt man ihm gern.

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Januar 2007

Kontakt:
Cafe Bar Spektrum
Luciano Giordano
Mendelssohnstraße 44
60325 Frankfurt
Tel. 069 / 74 25 85