Startseite Das Projekt Rückschau 2001-2010 Internationale Unternehmen SAMSUNG Electronics

Lernen, Verantwortung zu übernehmen Ausbildung bei Samsung Electronics – ein Gespräch mit Alexandra Rommel, der Ausbildungsbeauftragten des Unternehmens

Wer bei Samsung Electronics ausgebildet werden will, muss sich auf einiges gefasst machen. Schließlich muss der junge Mensch erst einmal an Alexandra Rommel vorbei. Das internationale Unternehmen mit koreanischen Wurzeln und dem Firmensitz Deutschland in Schwalbach im Taunus hat in ihr eine Ausbildungsbeauftragte, die ganz genau weiß, was sie will. Ein Beispiel? Da wäre zuerst das Auswahlgespräch.

"Wann hast du dich zum letzten Mal geprügelt?", fragt sie in diesem Gespräch schon mal einen jungen Mann, oder: "Warum hast du unentschuldigt so viele Tage gefehlt?" Dabei kommt es Rommel nicht auf die Tatsache an, dass es so war, sondern auf die Art der Antwort: Steht der Mensch dazu – und wenn ja, dann wie? Ein nettes Geplänkel, das kann man daraus schließen, ist das nicht, sondern ein erster wichtiger Test der Persönlichkeit.

Denn darum geht es ihr: Um Persönlichkeit. Und die lässt sich ihrer Erfahrung nach nun einmal nicht aus Zeugnissen ablesen, sondern nur im Gespräch, im Umgang miteinander erleben. Und genau deshalb haben bei ihr auch junge Leute eine Chance, die in Englisch keine Eins hatten, "obwohl wir als internationales Unternehmen viel Wert auf Englisch legen". Was sie von den jungen Menschen erwartet, die sich bewerben, ist vor allem eins: "Dass sie mir klarmachen können, warum sie unbedingt zu uns wollen."

150 Bewerbungen, drei Plätze pro Jahrgang

Ausbildungsverantwortliche Alexandra Rommel erklärt die Aktenablage
Ausbildungsverantwortliche Alexandra Rommel erklärt die Aktenablage
Bis zu 150 junge Menschen bewerben sich Jahr für Jahr bei Samsung, um sich zu Außen- und Großhandelskaufleuten oder zu IT-Informatikern ausbilden zu lassen, und das, obwohl das Unternehmen keine Anzeigen schaltet. Die meisten Auszubildenden bleiben im Unternehmen, nur etwa ein Drittel zieht es weiter, und dann vor allem, um zu studieren. Nur selten passiert es, dass ein Auszubildender nach Abschluss der Ausbildung nicht übernommen wird.

Drei Auszubildende nimmt das Unternehmen in Schwalbach jährlich an, die Messlatte liegt dementsprechend hoch. "Samsung geht es sehr gut, deshalb haben wir auch eine Verpflichtung, jungen Menschen einen Platz und eine Chance zur Entwicklung zu bieten."

Dafür muss die Person aber auch selbst ein Ziel haben. Eine Person, die sich mit der Firma identifiziert, sich für sie einsetzt und zugleich weiß, wer sie ist und welche Werte sie vertritt – das ist der Kern des Ausbildungszieles bei Samsung. „Wir wollen hier keine gleichgeschalteten Menschen formen“, sagt Rommel, "sondern Menschen ausbilden, die selbst Verantwortung übernehmen für ihr Leben. Wenn man nur die Firma im Auge hat, dann verliert man sich selbst."

Die Ausbildung bei Samsung – auch eine "Schule des Lebens"

Die persönliche Entwicklung anzustoßen und zu begleiten ist für die Ausbildungsbeauftragte des Unternehmens das "überaus Spannende" an ihrem Beruf. Deshalb geht es im innerbetrieblichen Unterricht, den Samsung-Azubis neben der Berufsschule zu absolvieren haben, auch keineswegs nur um Fachwissen. "Das zu vermitteln ist relativ leicht", findet Rommel. Wichtiger noch sei es, in einer Art "Schule des Lebens" zu lernen. Das fängt bei guten Tischmanieren an, führt über politische Bildung und Allgemeinbildung auch zu Zeit- und Stressmanagement und endet noch lange nicht bei der Organisation von Dankeschön-Parties für die Abteilungen, die die Azubis auf den Stationen ihrer Lehre bei Samsung Electronics durchwandern.

"Learning by doing" statt Frontalunterricht

Im Ausbildungsprogramm von Samsung und in den Unterrichtsstunden, ("Niemals Frontalunterricht wie in der Schule! Das gibt es bei uns nicht.") geht es nur am Rande um Themen, die auch in der Berufsschule vorkommen, Recht und Buchführung etwa. Viele Inhalte drehen sich auch um "Gott und die Welt", wie sie sagt, und das sei keineswegs verschwendete Zeit. Gerade dieser Austausch führe zu wesentlichen Themen, die die Persönlichkeit formen: "Wofür setze ich mich ein? Was will ich erreichen, und – das darf man auf keinen Fall außer Acht lassen – welchen Preis bin ich dafür bereit zu zahlen?" Ihre Überzeugung: "Die jungen Leute müssen lernen, dass sie nicht alles haben können, sondern sich entscheiden müssen."

"Kannst du uns nicht noch ein paar Manieren beibringen?"

Lernen müssen die jungen Menschen bei Samsung generell noch viel – sind sie doch, wenn sie hierher kommen, von ihrer Einstellung her hauptsächlich noch "Schüler, die sich bedienen lassen wollen". Aus dieser Haltung herauszufinden und sich zu einem verantwortungsvollen Menschen zu entwickeln schließt auch so fundamentale Lerninhalte wie Benimm-Trainings mit ein. Dass dies ankommt, weiß die Ausbildungsbeauftragte Rommel aus Erfahrung – nicht selten taucht nach einem solchen Etikette-Kurs die Frage auf: "Kannst du uns nicht noch ein paar Manieren beibringen?" Sie wertet das als Zeichen für ein großes Bedürfnis der jungen Erwachsenen nach "Halt, Orientierung und Klarheit – und nicht zuletzt nach persönlichen Gesprächen." Viele Azubis kommen zu ihr mit Fragen, die sie bewegen – und werden nicht abgewiesen. "Das gehört dazu."

Lernen, Verantwortung zu übernehmen

Rechnungstellung lernen macht zu zweit mehr Spaß
Rechnungstellung lernen macht zu zweit mehr Spaß
Zur Ausbildung gehört auch zu begreifen, was es heißt für etwas verantwortlich zu sein – und sei es für eine so große Sache wie den Auftritt bei einer Messe - wenn ein Azubi denn signalisiert, dass er diese Verantwortung gerne hätte. Wer durch Engagement und Interesse auffällt, dem werden auch anspruchsvolle Aufgaben übertragen, etwa, wenn es darum geht, eine Road-Show zu organisieren und bei der Auswahl einer "Location" oder der Gestaltung des Rahmenprogramms zu helfen. Dass dies überaus anstrengend sein kann, ist ein Vorgeschmack auf den Alltag im Beruf, den auch Azubis einmal erleben werden.

Daneben verlangt die Ausbildung bei Samsung Electronics, dem "internationalen Unternehmen mit koreanischem Hintergrund und deutschen Arbeitsrechten", auch interkulturelle Kompetenz, also Wissen und Einfühlungsvermögen. Da beides nicht einfach vom Himmel fällt, wird es in "cross-cultural-trainings" gelehrt "und dann sitzen durchaus koreanische und deutsche Manager neben unseren Azubis – wenn´s denn passt." In ein- bis dreitägigen Seminaren tauschen sie sich aus, reden über wechselseitige Vorurteile, entdecken Unterschiede und Gemeinsamkeiten. "In Korea zum Beispiel gibt es ein anderes Verständnis von Hierarchie, die auch sehr stark gelebt wird", so die Erfahrung der Ausbildungsbeauftragten. Auch in Deutschland gebe es diese Hierarchie, aber da sie nicht offen angesprochen werde, sondern eher als ein ungeschriebenes Gesetz herrsche, könne es zu Schwierigkeiten kommen. "Wir legen viel Wert darauf, solche Sachen zu besprechen", sagt Rommel.

Interkulturelle Teams

Auch die Produkte der eigenen Firma zu kennen ist wichtig für den zukünftigen Beruf
Auch die Produkte der eigenen Firma zu kennen ist wichtig für den zukünftigen Beruf
In einem interkulturellen Team arbeiten zu lernen, die Stärken der einzelnen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu erkennen und zu nutzen und sich selbst einzubringen, ist darum ein wesentliches Ziel der Ausbildung bei Samsung, und auch Samsungs Grundgedanke nach der "New Management Philosophy". Ohne eine gut funktionierende interne Kommunikation, die die Möglichkeiten schafft, sich auf einem gemeinsamen Boden zu treffen, ist das nicht zu erreichen. "Die Koreaner wissen schon sehr viel länger als wir, wie wichtig die Balance von Außen und Innen ist, also zwischen der Arbeitswelt der Beschäftigten und ihrem inneren Lebensgefühl", glaubt die Ausbildungsbeauftragte. "Da können wir Deutschen noch viel lernen."

Samsung Electronics

Samsung ist fast in jedem Bereich der Elektronikbranche präsent, das Angebot reicht von audiovisuellen Produkten der Unterhaltungselektronik über Haushaltsgeräte und Büro Equipment bis zu Telekommunikation, Computer, PDAs und dazu gehörenden Peripheriegeräte, wie Monitore, Festplatten oder CD- und DVD-Laufwerke.

Aus den 1938 im koreanischen Taegu gegründeten Provinz-Kaufhäusern ist heute der fünftgrößte Konzern der Welt mit mehr als 250.000 Beschäftigten geworden. In neun konzerneigenen Forschungszentren denken und entwickeln 13.000 Ingenieure die digitale Technik für das 21. Jahrhundert. In 93 Niederlassungen in 48 Ländern erwirtschafteten die 123.000 Mitarbeiter von Samsung Electronics im Jahr 2005 einen Konzernumsatz von 58,5 Mrd. US-Dollar.

In Schwalbach arbeiten rund 750 Mitarbeiter in 13 verschiedenen Samsung-Firmen, hiervon 285 bei Samsung Electronics. Insgesamt bildet die Samsung-Firmen derzeit 14 junge Menschen aus – zu Groß- und Außenhandelskaufleuten, IT-Systemkaufleuten, Fachinformatikern für Systemintegration sowie Fachkräften für Lagerlogistik und Bürokommunikation. An dem jahrgangsübergreifenden innerbetrieblichen Unterricht nehmen alle Azubis teil.