Früh verantwortlich sein Die Ausbildung bei Subway Sandwiches in Kassel und Göttingen
Ethem Tosun ist 26 Jahre alt und, seit er als 14jähriger Austauschschüler in Washington D.C. war, ein begeisterter Anhänger von Fast Food. Diese Faszination hat ihn bis heute nicht losgelassen, und deshalb ist er seit Sommer 2003 Franchise-Nehmer der amerikanischen Fast Food-Kette "Subway Sandwiches".
Schon ein Jahr später fing er an, auszubilden. Seine beiden Geschäfte, eines in Kassel, eines in Göttingen, beschäftigen jeweils drei Azubis. Filiale Nummer drei und vier öffnen im Februar 2007 in Göttingen ihre Türen. Auch hier werden wieder zwei bis drei Azubis pro Restaurant ihre Ausbildung zum Fachmann oder zur Fachfrau für Systemgastronomie machen und anschließend zum Filialleiter aufsteigen. Denn das ist der vorgezeichnete Weg, den die Auszubildenden in seinem Unternehmen nehmen werden, sagt Tosun, der in Göttingen und London Wirtschaft studiert hat.
"Fingerfertigkeit ist kein Schulfach"
Warum Tosun so überdurchschnittlich viele Auszubildende beschäftigt, hat mit seinem Ehrgeiz als Franchise-Nehmer zu tun: Er will expandieren. "Und dazu brauche ich Leute, die wissen, wie Subway Sandwiches ticken." Was ist also naheliegender, als die Leute von der Pike auf zu betreuen und zu schulen, damit sie anschließend die nächste und übernächste Filiale selbständig leiten können? Ihm kommt es darum auch nicht auf die besten Zeugnisse an, die ein Schulabgänger vorweisen kann. Anhand der Noten lässt sich schließlich nicht ablesen, wie geschickt jemand Sandwiches belegen oder wie gekonnt er mit seinen Kunden umgehen kann. "Fingerfertigkeit ist nun mal kein Schulfach."
Alle Auszubildenden haben vorher ein Praktikum oder eine Einstiegsqualifizierung hinter sich gebracht und als Aushilfen gearbeitet. "Das ist nicht nur für uns ein guter Test, sondern auch für die jungen Menschen. Denn auch sie müssen ja herausfinden, ob dieser Beruf etwas für sie ist."
Da Subway Sandwiches in Deutschland noch relativ klein ist, gibt es noch kein gemeinsames Schulungskonzept und deshalb ist Tosun derzeit noch allein mit seinem Konzept der Weiterbildung und Schulung der Auszubildenden. Was die Ausbildung bei ihm auszeichnet, ist die große Autonomie, die die jungen Menschen während der Ausbildung bei ihm genießen – oder an den Tag legen müssen. Denn sie sollen später selbständig Filialen leiten oder wenigstens Schichten führen: So sind sie zum Beispiel früh dafür zuständig, neue Aushilfen einzuarbeiten, denn daran zeigt sich vieles, was sie später zur Leitung einer Filiale brauchen werden. "Deshalb müssen unsere Azubis früh lernen, mit Menschen umzugehen und zu sagen, was sie wollen. Wir schneiden uns ins eigene Fleisch, wenn wir sie nicht beizeiten auf ihre künftigen Aufgaben vorbereiten."
Mit Azubis Umsätze deutlich steigern
Dass der Unternehmer mit seinem Konzept richtig liegt, zeigt ihm ein Blick auf die betriebswirtschaftlichen Daten: "Seit wir unsere Azubis haben, konnten wir unsere Umsätze deutlich steigern. Das wäre mit Aushilfen nicht gegangen. Azubis haben den Vorteil, dass sie jeden Tag da sind und die Abläufe viel besser kennen als Aushilfen. Und sie sind schneller als Aushilfen." Aber das ist nur ein Grund. Den anderen, vielleicht wichtigeren Grund sieht Tosun im menschlichen Miteinander, in der Atmosphäre, in der Kontinuität im Restaurant: "Die Kunden sind zufriedener, wenn sie ihnen bekannte Gesichter sehen und nicht dauernd neue fremde Menschen hinterm Tresen. Sie fühlen sich geschmeichelt, wenn unsere Leute sie mit Namen kennen und fragen: `Dasselbe wie gestern?`"
Zur Ausbildung gehört, die jungen Menschen auf die Aufgaben des mittleren Managements vorzubereiten. Dazu gehören auch Bürotätigkeiten, wie etwa Arbeitspläne erstellen, Inventuren anfertigen, Bestellungen erledigen. Im zweiten oder auch dritten Lehrjahr erhalten die Auszubildenden weitere Einblicke in die Aufgaben einer Geschäftsführung.
Damit sie sehen, wie das Unternehmen läuft, zeigt Tosun ihnen die Auswertung der betriebswirtschaftlichen Daten und lässt sie die wöchentliche Inventur einsehen, die genauen Aufschluss darüber gibt, was im Restaurant verbraucht wurde: Wurde zuviel Eisbergsalat aufs Sandwich gelegt oder zuwenig, wurde mehr oder weniger Cola verkauft als in der Vorwoche? Und wie funktionierte der sogenannte suggestive Verkauf, also wenn nachgefragt wird, ob der Gast zusätzlich zum bestellten Sandwich auch noch etwas trinken will?
Die Azubis sehen dabei nicht nur, wie produktiv das Unternehmen insgesamt, sondern auch, wie produktiv jeder und jede einzelne in der jeweiligen Woche waren. Wenn sich herausstellt, das jemand ein "Soll" hat, hat Tosun interne Wettbewerbe entwickelt, die dieses Manko auffangen sollen. "Wer verkauft am meisten Cola in dieser Woche?" soll den Anreiz schaffen, die Produktivität zu steigern und sich ins Zeug zu legen.
Jeder, der will, wird übernommen
Mit der Motivation hat Tosun allerdings generell keine Probleme, denn seiner Erfahrung nach sind Azubis von sich aus, "nach einer gewissen Lernphase", begierig darauf sind, mehr zu lernen wollen, weil sie früh den Reiz der Verantwortung spüren: Und weil Auszubildende bei Tosun so viel Verantwortung tragen, macht er – was die Hierarchie angeht – zwischen festangestellten Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern und Azubis keinen Unterschied. Und was die berufliche Perspektive bei dem Subway Sandwiches Franchise-Nehmer angeht, hat Tosun seinen Azubis viel zu bieten: "Alle, die es wollen", sagt der Fast-Food-Unternehmer, "werden am Ende der Ausbildung übernommen."
Kontakt:
Ethem Tosun, subway@gmx.biz, Telefon 0163/ 739 9555






