Startseite Das Projekt Rückschau 2001-2010 Internationale Unternehmen YASKAWA Electric

„Es geht um weit mehr, als einfach nur Ware zu verkaufen.“ Die japanische Vertriebsgesellschaft Yaskawa GmbH bildet Kaufleute im Groß- und Außenhandel aus

Bei der Weihnachtsfeier neben dem Unternehmenspräsidenten sitzen und sich locker mit ihm unterhalten? Als Azubi in einem japanischen Unternehmen kann das durchaus schon nach einem halben Jahr passieren. Denn in japanischen Unternehmen, die auf familiäre Atmosphäre Wert legen, werden bei Festen und Feiern die Mitarbeitenden nicht nach Abteilung und Hierarchie an die Tische platziert – die Sitzplätze werden ausgelost. Und da kann es schon passieren, dass die Jüngste mit dem obersten Chef an einem Tisch sitzt und Konversation betreiben muss. Bei der Yaskawa Electric Europe GmbH in Schwalbach werden seit 2005 eine junge Frau aus der Türkei und ein junger Mann aus Deutschland zu Groß- und Außenhandelskaufleuten ausgebildet.

Unternehmenspräsident Yoshikatsu Minami mit den Azubis Peter Dietz und Funda Yalin

„Die Ausbildung zum Groß- und Außenhandelskaufmann oder –kauffrau ist die Krone der kaufmännischen Ausbildungsberufe. Eine sehr qualifizierte Ausbildung, die viel verlangt.“ Martina Widmer, Kaufmännische Leiterin der Yaskawa Electric Europe GmbH und verantwortlich für die Personalabteilung, hat mit ihrem Eintritt in das Unternehmen 1999 das deutsche duale Ausbildungssystem in die japanische Firma eingebracht.

Geschäftssprache Englisch

Die Yaskawa Electric Europe GmbH ist eine internationale Vertriebsgesellschaft für Servosysteme, Maschinensteuerungen und Lösungen für die Automatisierungstechnik. Bei Yaskawa arbeiten nicht nur Japaner, sondern auch viele andere Nationalitäten. Die Firma bietet eigene Englischkurse an, und einmal im Jahr müssen sich auch die Azubis einem Test unterziehen, der sicherstellt, dass sie an ihrem Englisch arbeiten. „Japanisch zu lernen ist übrigens nicht nötig“, beruhigt Martina Widmer. „Das wäre wirklich zu viel verlangt.“

Doch mit japanischen Sitten und Verhaltensweisen müssen die Azubis schon umgehen können. Das größte Fettnäpfchen, in das ein Azubi bei Yaskawa treten kann, ist, von einem japanischen Vorgesetzten einen Auftrag zu bekommen und diesen abzulehnen. In Japan lässt man nicht erkennen, wenn man etwas nicht verstanden hat oder etwas (noch) nicht kann. Um das Gesicht nicht zu verlieren, muss das Problem anders gelöst werden: „Willensbereitschaft zeigen und eine Rückmeldung zusagen. Ein einfaches Nein gibt es bei uns so gut wie nie, das gilt als sehr unhöflich“, erklärt Martina Widmer. Die Azubis bei Yaskawa müssen lernen, sowohl der deutschen als auch der japanischen Kultur gerecht zu werden. „Es geht um weit mehr, als einfach nur Ware zu verkaufen. Nach drei Jahren Ausbildung haben sie wirklich etwas fürs Leben gelernt.“

Kulturelle Flexibilität

Ausbildung in einem japanischen Unternehmen – Azubi Peter Dietz findet es sehr interessant und lehrreich, mit den japanischen Mitarbeitern im Unternehmen zu tun zu haben: „Man merkt schon in ihrem Verhalten, dass sie eine andere Kultur haben.“ Auch für die 16-jährige Funda Yalin macht es den Reiz ihres Ausbildungsplatzes aus, diese japanische Kultur näher kennen zu lernen. „Einmal hat unser Präsident Yoshikatsu Minami hier das japanische Schulsystem erklärt. Das finde ich sehr spannend. Da ich an einer Schule mit vielen ausländischen Kindern war und selbst türkischer Herkunft bin, ist es für mich eigentlich kein großer Unterschied, auch meine Ausbildung in einem internationalen Unternehmen zu absolvieren.“

Für Martina Widmer ist Ausbildung eine Investition in die Zukunft: „Das Schöne daran ist, dass wir nach der Ausbildung einen Arbeitsplatz mit jungen Leuten besetzen können, die das nötige kulturelle Verständnis haben und den Konzern wirklich begreifen. Ansonsten müssten wir mit jedem Neuangestellten immer wieder bei Null anfangen.“

Betriebsportrait - Juli 2006