Startseite Das Projekt Rückschau 2001-2010 Kleine und mittlere Unternehmen Salobir Automobile, Viernheim

»Ausbildung lohnt sich für beide Seiten«

»Jeder Wagen ist ein Unikat und will individuell behandelt werden« sagt Michael Salobir.  Kein Zweifel, die Leidenschaft für Automobile liegt dem gebürtigen Slowenen im Blut. Seit 1997 kauft, verkauft und repariert er Autos in Viernheim. Außerdem exportiert er gebrauchte PKW und LKW nach Kroatien und Slowenien, Russland, Polen, Bulgarien und Österreich. Mit fünf Mitarbeitern, zu denen auch Salobirs Ehefrau gehört, ist der KFZ-Betrieb überschaubar und fast familiär.

Michael Salobir ist heute überzeugter Ausbilder

Seit 2005 bildet Salobir aus, zunächst zum Automobilkaufmann und nun zum KFZ-Servicemechaniker. Die geringe Größe seines Betriebs erweist sich dabei als Vorteil:»Bei uns können die Azubis von Anfang an alles hautnah erlernen,« sagt Salobir. »Gerade weil wir nicht so viele Mitarbeiter haben, sind sie gleich mittendrin und haben vom ersten Tag an Einblick in alle Arbeitsabläufe.« Michael Salobir ist heute ein überzeugter Ausbilder, doch das war nicht immer so: »Ursprünglich wollte ich mir den vermeintlichen ‚Stress‘ einer Ausbildung nicht antun,« erzählt er. Doch dann fragte der Sohn eines Bekannten, ob er sich bei ihm zum Automobilkaufmann ausbilden lassen könne. Salobir überwand seine Bedenken und nahm Kontakt mit der IHK Darmstadt auf. »Dort hat man sich richtig bemüht, den Azubi bei mir zu platzieren, die kämpfen um jeden Ausbildungsplatz.«

Zu seinem Erstaunen war der Aufwand, den die Ausbildung für ihn mit sich brachte, geringer als erwartet: »Ich dachte, das wäre viel Zusatzarbeit, die mich beim täglichen Geschäft behindert. Bild1 Doch es war eigentlich sehr einfach, es gab keinen Papierkrieg und keine Auflagen.« Die IHK-Berater kamen nach Viernheim, besichtigten seinen Betrieb, prüften seine Zeugnisse und befragten ihn nach seinen Vorstellungen zur Ausbildung. »Offenbar war alles in Ordnung, denn nach zwei Terminen gab die IHK grünes Licht«, sagt Salobir. Einen gesonderten Nachweis über seine Ausbildungsfähigkeit musste er nicht erbringen, da er als gelernter Maschinenbautechniker über die nötige Qualifikation im Ausbildungsberuf verfügt. Und da die IHK-Mitarbeiter ihn stets in seinem Betrieb aufsuchten, blieb Salobir auch der Weg von Viernheim zur Industrie- und Handelskammer nach Darmstadt erspart.

Das in den Azubi gesetzte Vertrauen hat sich gelohnt

Die dann folgende Ausbildung erwies sich als Erfolg: »Ich hatte auf einen Schlag mehr Zeit für mich,« resümiert Salobir. »Natürlich arbeitet ein Azubi nicht von Anfang an wie ein Profi, doch ich hatte Vertrauen und das hat sich ausgezahlt. Am Ende hatte ich einen Top-Verkäufer.« Zu seinem Bedauern konnte er den Auszubildenden jedoch nicht übernehmen, da sich damit seine Mitarbeiterzahl von fünf auf sechs erhöht hätte.

bild2»Ab sechs Mitarbeitern gelten andere gesetzliche Regelungen, und das hätte sich für mich nicht gerechnet«, so Salobir,  »das war wirklich schade.«

Mehr als ein billiger Arbeitsplatz

Doch die einmal gemachte Erfahrung war so positiv, dass Salobir in diesem Jahr erneut ausbildet, diesmal zum KFZ-Servicemechaniker. Dabei folgt er dem Grundsatz, »dass Auszubildende nicht den Besen schwingen, sondern etwas lernen sollen. Ihr Platz im Betrieb ist mehr als ein billiger Arbeitsplatz.« Bei den Inhalten, der er seinem Auszubildenden vermittelt, orientiert er sich am Lehrplan der Berufsschule. »Ich frage ihn, was er in der Schule gerade durchnimmt und gebe ihm dann konkrete Aufgaben, die sich auf den aktuellen Unterrichtsstoff beziehen. Wenn zum Beispiel das Thema Finanzierung dran ist, bitte ich ihn, mir eine Excel-Tabelle zur schnellen Fahrzeugerfassung zu erstellen. So kann er in der Praxis umsetzen, was er in der Theorie gelernt hat.«

Doch Ausbildung ist mehr als die bloße Vermittlung von Wissen, sie betrifft auch das tägliche Miteinander. »Als Ausbilder musst du in erster Linie Psychologe sein,«  sagt Michael Salobir. »Wenn man gegenseitig die Grenzen beachtet und sich respektiert, funktioniert das gut.« Natürlich gebe es hin und wieder Probleme, etwa wenn ein Auftrag nicht in der nötigen Zeit oder in der richtigen Art und Weise erfüllt werde, »aber dafür ist er ja ein Auszubildender. Er muss an seinen Fehlern lernen, und wenn er Fehler macht, dann sind das meine Fehler.«

Der Kontakt zwischen Betrieb und Berufsschule sollte verbessert werden

An dem in Deutschland praktizierten System der berufsbegleitenden Ausbildung gefällt Michael Salobir, dass es so unbürokratisch ist, und dass die Auszubildenden von Beginn an in der Praxis dabei sind. »Es ist wichtig, dass sie früh den beruflichen Alltag kennen lernen. Sie müssen raus, sie müssen unter die Leute, sie müssen Erfahrungen sammeln.« Verbessern müsste  man seiner Ansicht nach aber den Kontakt zwischen Betrieben und Berufsschule. »Der Betrieb muss erfahren, was in der Schule gerade läuft. Zurzeit ist es leider noch so, dass man nur mit Glück oder auf konkrete Nachfrage erfährt, was gerade durchgenommen wird. Das muss besser aufeinander abgestimmt werden.« Salobir plädiert deshalb für ein System, bei dem die Schulen die Betrieb per E-Mail über den jeweiligen Unterrichtstoff informieren: »Dann könnte der Betrieb die Thematik sofort in der praktischen Ausbildung aufgreifen. Das würde aus meiner Sicht viel bringen.«

bild 3

Insgesamt aber fällt sein Resümee rundum positiv aus. »Ausbilden lohnt sich für beide Seiten«, so Michael Salobir. »Der Azubi erwirbt sein Rüstzeug für die Zukunft, und der Ausbilder erhält einen guten, vollwertigen Mitarbeiter.«


August 2009
---

Salobir Automobile
Michael Salobir
Heidelberger Straße 45
68519 Viernheim
Telefon: +49 (0) 62 04 / 91 33 66
Fax: +49 (0) 62 04 / 91 33 67
www.salobirauto.de