Sonnige Aussichten

Die Solarfirma Galip GmbH bietet nicht nur gute Ausbildung, sondern auch sichere Arbeitsplätze

»In sonniger Gesellschaft« - der Titel des Werbeplakats für Photovoltaik-Systeme, das in den Räumen hängt, könnte auch als Slogan für das Betriebsklima der Galip GmbH in Lohfelden bei Kassel herhalten. Zu spüren ist das schon bei der Begrüßung: Harmonisch, sehr freundlich, fast familiär ist der Umgangston. »Wir sind beide Südländer«, erklärt Marketingmanager Alberto Garcia das Bedürfnis nach einem warmherzigen Klima im Unternehmen und meint damit seinen Chef und sich. Firmengründer Alexander Galip ist in der Türkei geboren, Garcia kommt von der spanischen Insel Gran Canaria.

»Die Mitarbeitenden sind bei uns keine Nummern. Auch wir haben natürlich bestimmte Strukturen, die eingehalten werden müssen, aber die sind bei uns nicht wichtiger als die Menschen selbst.« Alexander Galip weiß, wovon er redet. Der 51-Jährige, der seit 45 Jahren in Deutschland lebt, hatte es selbst erlebt, nur noch als Nummer und Kostenfaktor gesehen zu werden. 24 Jahre lang war er im VW-Werk in Baunatal angestellt. Der Werkzeugmacher betreute dort die automatisierte Produktionsanlage, bis ein schwerer Motorradunfall seinen Berufsweg bei VW beendete.

»Mit meiner Krankheitsgeschichte hätte ich nirgends mehr eine Anstellung bekommen, deshalb war klar, dass ich mich selbstständig machen musste. Und ich wusste, dass ich etwas machen musste, was sicher funktioniert, schließlich hatte ich eine Familie zu ernähren.« Zweieinhalb Jahren dauerte es, bis er alles geregelt hatte und die nötigen Darlehen genehmigt waren. Keine verlorene Zeit. »Das war gut so, denn als ich 1990 schließlich loslegen konnte, war ich sicher, dass meine Idee, der Handel und die Montage von Sonnenschutzsystemen, funktioniert.«

Dass sich das Geschäft mit Sonnenblenden und -markisen schnell auf Sonnenenergie-Systeme und andere erneuerbare Energie-Anlagen ausweitete, »war eine glückliche Fügung«, sagt Galip rückblickend. »Ein Bauherr hatte einfach vergessen, zum Antrieb seiner Markise eine Stromleitung zu legen. Wir mussten ihm daher über einen Lieferanten von uns mit einem Solarmodul eine andere Energie-Lösung anbieten.«

Wenig später kam der Auftrag hinzu, für ein isoliertes Haus im Wald, das keinen Anschluss an das Elektrizitätsnetz hatte, ein sogenanntes Solar-Inselsystem zu bauen. »Damals gab es noch keinerlei staatliche Förderung, Sonnenenergie stand noch am Anfang. Das hat mich begeistert und war mein Einstieg in das Photovoltaik-Geschäft.«

Verzweifelt gesucht. Fachkräfte für Photovoltaik

Was ihm allerdings dringend fehlt, sind Fachkräfte für Photovoltaik. Weil er in der Region keine fand, entschloss sich Firmenchef Galip zur Ausbildung. »Ich habe mir einen Drei-Jahresplan gemacht: Ich wollte mir das Team, das ich brauche, selbst zusammenstellen.« Und so startete er 2004 mit der ersten Auszubildenden, einer Groß- und Außenhandelskauffrau. Die Ausbildereignungsbescheinigung hierfür hatte er noch von seiner Zeit bei VW in der Tasche. Wie wichtig dem Unternehmen das Ausbilden ist, zeigen auch die Zahlen: Bei insgesamt acht Angestellten gibt es inzwischen bei der Galip GmbH fünf Auszubildende: zwei Groß- und Außenhandelskaufmänner, ein Kaufmann für Dialogmarketing, ein Konstruktionsmechaniker und eine Bürokauffrau.

Das ist fast eine Eins-zu-Eins-Betreuung und bedeutet, viel Zeit und Engagement zu investieren. Doch, so Alexander Galip, »ich bereue keine Sekunde, die wir hier bislang ausgebildet haben. Es macht mir unendlich viel Spaß zu sehen, wie sich die jungen Leute entwickeln. Am Anfang sind sie noch unsicher und dann erfüllen sie irgendwann ihre Aufgaben besser als ich. Das motiviert mich sehr weiterzumachen.«

»Wir investieren viel, aber wir profitieren auch von den Azubis«

Die Verantwortung für die Ausbildung hat er inzwischen an Alberto Garcia abgegeben. Der 32-Jährige, ehemals Personalreferent bei einem Call Center eines TV-Shopping-Senders, ist begeisterter Ausbilder: »Wir investieren nicht nur viel, wir profitieren auch viel von unseren Azubis. Zum Beispiel beim Umgang mit Computern. Da kennen sie sich unglaublich gut aus. Das nutzen wir und geben ihnen hier viel Verantwortung.« Und die Azubis wiederum motiviere das und gebe ihnen viel Selbstbewusstsein.

Dieses Selbstbewusstsein merkt man Azubi Florian Röhrig durchaus an. Der angehende Groß- und Außenhandelskaufmann ist, wie Garcia sagt, »unser EDV-Spezialist. Wenn ich eine bestimmte Vorstellung habe, setzt er sie mit dem Computer um. Das ist großartig.« Der 22-Jährige hatte sich ganz klassisch um einen Ausbildungsplatz bei Galip beworben. »Das hat wohl vor allem deshalb so gut geklappt, weil ich klar gesagt habe, was ich für Vorstellungen von einem effizienten Büro-Ablauf habe und was ich drauf habe«, resümiert er. Nun begeistert ihn die Arbeit mit dem Chefmonteur und den Architekten, und er montiert auch schon mal selber mit. »Man muss doch wissen, was man später verkauft.«

In seiner betrieblichen Arbeit mit den jungen Menschen versucht Garcia seine »eigene gute Erziehung weiter zu geben. Dazu werde ich auch mal persönlich und erzähle Geschichten aus meinem Leben. Etwa, dass meine Eltern außerordentlich streng waren, aber das mit viel Liebe. Noch heute ist er ihnen dankbar, dass sie so vorausschauend waren, ihn zweisprachig ausbilden zu lassen, damit er später mehr Wahlmöglichkeiten hatte. Er ging auf Gran Canaria zunächst in den zweisprachigen deutschen Kindergarten, später in die »Deutsche Schule Las Palmas« und machte dort sowohl das spanische wie auch das deutsche Abitur. So konnte er 1995 wählen: Er ging nach Kassel, um dort Wirtschaftswissenschaften zu studieren.

Zur Ausbildung gehören für Garcia bei Bedarf auch Gespräche mit den Eltern. Z. B., wenn er merkt, dass ein Azubi von dem ausgesuchten Beruf überfordert ist, daran keine Freude hat. »Da haben wir dann eben gemeinsam einen anderen Beruf ausgesucht. Jetzt kommt der junge Mann hoch motiviert aus der Schule, hat sich enorm entwickelt.« Azubi Sven Wienforth bestätigt das. Der 21-Jährige ist heilfroh, dass er vom Groß- und Außenhandels­kaufmann zum Kaufmann für Dialog-Marketing wechseln konnte. »Mein Talent ist das Sprechen. Mit dem Vorschlag, ins Dialog-Marketing einzusteigen, hat mein Ausbilder ins Schwarze getroffen. Ich bin sehr glücklich damit, komme gern zur Arbeit und gehe gern zur Schule.«

»Als Ausbilder«, so das Credo von Garcia, »muss man die Energie bei den jungen Leuten erkennen und dann richtig kanalisieren.« Fehler gehören für ihn selbstverständlich dazu, nur müsse man darüber offen reden. »Dann sind das keine Fehler mehr, sondern Erfahrungen.« Was es dazu brauche, so Garcia, sei jedoch Taktgefühl. »Wissen allein reicht nicht aus, zum Ausbilden braucht es auch Herz.«

Firmenchef Alexander Galip ist auch wegen dieser Einstellung froh mit seinem jungen Ausbilder: »Am Ende meiner Zeit bei VW ging es nur noch um Zahlen, das möchte ich bei mir hier nicht. Wir bieten hier auch eine menschliche Ausbildung für die jungen Leute.« Und Galip bietet noch mehr: »Ich möchte keine Person, die ich ausbilde, anschließend entlassen. Ich will alle übernehmen.« »Azubis«, ergänzt Garcia, »haben eine Zukunft bei uns.«

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März 2009

Galip GmbH
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