Bildung ist wie ein goldenes Armband – Ein Geschenk und eine Investition in die Zukunft Unter dem Motto „Moscheen aktiv für Berufsbildung“ wirbt IUBA gemeinsam mit der Kölner Koordinierungsstelle KAUSA am 25.Juni 2005 in der DITIB- Zentralmoschee in Frankfurt für Ausbildung

Moscheeeindrücke

Keine alltägliche Szene: Barfuss, auf Strümpfen oder mit blauen Überschuhen sitzen IUBA-Projektleiterin Constanze Brucker und IHK-Sonderberater Kurt Schomburg gemeinsam mit Ausbildungsexperten der Handwerkskammer und des Arbeitsamtes auf dem Podium. Grund dafür ist der ungewöhnliche Tagungsort: Die DITIB - Zentralmoschee mitten im Frankfurter Bahnhofsviertel. Ringsherum türkische Banken und Reisebüros, Einzelhändler und Gemüseläden – ein Beweis für die Gründungsfreudigkeit türkischer Einwanderer und das große Potenzial an Ausbildungsplätzen in ihren Unternehmen.

  • Salih Bogac Güldere, türkischer Generalkonsul in Frankfurt
  • Dr. Albrecht Magen, Frankfurter Stadtrat und Dezernent für Integration
  • Bettina Ardelt, Vorsitzende des Ausschusses Bildungswirtschaft der IHK Frankfurt und Geschäftsführerin des RKW Hessen
  • IUBA-Mitarbeiter Kurt Schomburg, Sonderberater bei der IHK Frankfurt
  • Die Vorbeter und Vorsitzenden von Moscheevereinen aus dem Rhein-Main Gebiet informieren sich über Ausbildung
  • Frank Klein von der Handwerkskammer Rhein-Main, Wilhelm Dominiak von der Frankfurter Arbeitsagentur und IHK-Sonderberater Kurt Schomburg diskutieren mit Moderatorin und Übersetzerin Kiymet Akpinar
Eingeladen hatten DITIB, die Türkisch-Islamische Union der Anstalt für Religionen, der rund 750 Moscheevereine in Deutschland angeschlossen sind, und KAUSA, die Kölner Koordinierungsstelle Ausbildung in ausländischen Unternehmen. Gemeinsames Ziel war es, Vorbetern und Vorsitzenden von Moscheevereinen die Notwendigkeit von Ausbildung an Herz zu legen und sie darüber zu informieren, welche Beratungsangebote Jugendliche, Eltern und Unternehmer nutzen können.

Beim Thema Ausbildung hören die Wasser auf zu fließen

„Gute Ausbildung unserer Kinder ist die Garantie unserer Zukunft“, betonte DITIB-Generalsekretär Mehmet Yildirim gleich zu Beginn in seinem Grußwort. „Wir erwarten von den Eltern, dass sie sich diesbezüglich mehr um ihre Sprösslinge kümmern.“ Salih Bogac Güldere, türkischer Generalkonsul in Frankfurt unterstützte diesen Appell. „Wenn ich das Wort Ausbildung höre, hören die Wasser auf zu fließen“, so umschrieb er die Nachdrücklichkeit, mit der er selbst das Thema behandelt. Auch heute hatte der Konsul speziell einen anderen Termin abgesagt, um persönlich an der Veranstaltung teilnehmen können.

Die Zahlen, die der Frankfurter Stadtrat und Dezernent für Integration Dr. Albrecht Magen anschließend präsentierte, gaben dem Konsul Recht. 36,7 % der in Frankfurt gemeldeten Arbeitslosen haben einen Migrationshintergrund; das bedeutet, dass 19% aller Migrantinnen und Migranten in Frankfurt keine Arbeit haben. Ursache dafür ist unter anderem das schlechte Abschneiden in der Schule, erklärte Dr. Magen. „Das kann nicht an der Intelligenz liegen“, daran ließ der Stadtrat keinen Zweifel. „Schuld sind oft mangelhafte Sprachkenntnisse oder wenig Engagement. Hier sind die die Elternhäuser gefragt!“

Bettina Ardelt, Vorsitzende des Ausschusses Bildungswirtschaft der IHK Frankfurt und Geschäftsführerin des RKW Hessen, ergänzte einige Fakten aus Sicht der Unternehmen. „Ohne gute schriftliche und mündliche Deutschkenntnisse bekommt nie-mand einen Ausbildungsplatz“, lautet ihr Fazit. Sie wies aber auch drauf hin, dass Jugendliche mit Migrationshintergrund einen Wettbewerbsvorteil haben: Ihre Muttersprache. Zweisprachigkeit ist für viele Unternehmen sehr attraktiv, insbesondere, wenn die Jugendlichen zusätzlich noch englisch sprechen.

„Ausbildung ist wie ein goldenes Armband – eine Investition und ein Geschenk für die Zukunft“, dieses türkische Sprichwort hatte die RKW-Vorsitzende sehr beeindruckt.

Wissen und Können sind Schätze, die nicht gestohlen werden

Beim anschließenden Podiumsgespräch schilderte IUBA-Mitarbeiter Kurt Schomburg, Sonderberater bei der IHK Frankfurt, welch großes Potenzial an Ausbildungsplätzen in türkischen Betrieben steckt. Etwa ein Drittel der Ausbildungsplätze, die bereits für IUBA aquiriert wurden, wurden in türkischen Unternehmen gewonnen. „Allein hier in der Straße gibt es drei Betriebe, denen ich geholfen habe, einen Ausbildungsplatz einzurichten.“

Viele Unternehmen wissen gar nicht, dass auch sie ausbilden können: Die hohen bürokratischen Hürden wurden abgebaut. Schomburg und seine Kolleginnen von der IHK Offenbach, Darmstadt und Kassel helfen dabei, auch die kulturellen Hürden abzubauen, denn das deutsche duale Ausbildungssystem ist vielen Einwanderern noch immer unbekannt. IUBA stellt zudem Materialien für die Elternarbeit zur Verfügung, ergänzte IUBA-Projektleiterin Constanze Brucker. Faltblätter mit Infos zum Thema Ausbildung in türkischer Sprache können bei IUBA bestellt werden, auch in großer Stückzahl. Mit etwa 50 Personen war die Veranstaltung gut besucht. Moderatorin Judith Ramrath von KAUSA freute sich, dass bereits rund 1000 türkische Imame und Moscheevereinsvorsitzende die bundesweite Veranstaltungsreihe besucht hatten. Im Herbst wird die Reihe in weiteren deutschen Städten fortgesetzt, darunter auch Mainz.

Dass ihr Appell Wirkung zeigt und die Vorbeter und Vereinsvorsitzenden ihre Mulitiplikatorenfunktion nutzen, hoffen alle Beteiligten. Denn, so Frank Klein von der Handwerkskammer Rhein-Main: „Wissen und Können sind Schätze, die nicht gestohlen werden und keiner Inflation unterliegen.“