1000. Ausbildungsplatz in hessischem Unternehmen mit Migrationshintergrund: Wirtschaftsminister Alois Rhiel ehrt Kasseler Betrieb

Fernsehbeitrag
"Ausländer bilden aus"
Beitrag Hessenschau am 5.8.05"

Eine beeindruckende Erfolgsbilanz: 1000 neue Ausbildungsplätze hat das Projekt „Unternehmen mit internationaler Unternehmensführung bilden aus“ der Hessischen Landesregierung in den letzten vier Jahren gewinnen können. Wirtschaftsminister Rhiel sprach am Freitag, den 5. August 2005 dem Kasseler Unternehmer Esfandiar Haddadi seine Anerkennung aus - stellvertretend für alle Unternehmerinnen und Unternehmer mit Migrationshintergrund, die sich für die Berufsausbildung Jugendlicher engagieren.

1000. Ausbildungsplatz
Programm

„Viele Migranten-Unternehmen in Hessen sind wirtschaftlich sehr erfolgreich, und haben beste Voraussetzungen, um ausbilden zu können“ weiß Wirtschaftsminister Rhiel. Da sie jedoch mit dem dualen Ausbildungssystem in Deutschland nicht vertraut sind und häufig glauben, gar nicht ausbilden zu dürfen, bleiben viele mögliche Lehrstellen ungenutzt.

  • Esfandiar Haddadi; Dr. Walter Lohmeier, Hauptgeschäftsführer IHK Kassel; Dr. Alois Rhiel, Hessischer Wirtschaftminister
  • Esfandiar Haddadi, Geschäftsinhaber Nordlicht Digital Solutions; Christian Horner und Sarah Wachsmuth, Azubis Mediengestalter und Mediendesignerin
  • Mitarbeiterteam und Gäste Nordlicht Digital Solutions

Mehr als 90 Bewerbungen hat der 21-jährige Christian Horner geschrieben, auf rund 70 bringt es die 19-jährige Sarah Wachsmuth. Doch dann hatten die beiden es geschafft: In der Firma Nordlicht Digital Solutions in Kassel lernen sie jetzt Mediengestalter und Mediendesignerin für Digital- und Printmedien – mit guten Chancen auf Übernahme nach dem Ende der Ausbildung. Christian und Sarah sind der 1000. und die 1001. Auszubildende, die im Rahmen des Projektes iuba eine Lehrstelle gefunden haben.

Ihr Chef und Ausbilder ist Esfandiar Haddadi, der vor 19 Jahren aus dem Iran nach Deutschland kam. Haddadi, der eigentlich studieren wollte, übernahm 1994 einen Studenten-Copyshop, in dem er nebenbei gejobbt hatte. Er meldete ein Gewerbe an und machte sich selbständig. „Das war ein bisschen orientalisch“, meint er heute zu seiner damaligen Risikobereitschaft, ohne jede Vorbereitung ein eigenes Geschäft aufzumachen. Doch der Erfolg gibt ihm recht: Das Unternehmen bietet heute Komplettlösungen für das Direktmarketing an, druckt und gestaltet Werbemittel, Mailings, Kataloge und Geschäftspapiere für viele namhafte Firmen.

Auch Esfandiar Haddadi hatte zunächst keine formelle Ausbildungsberechtigung. Dieses Problem konnte jedoch mithilfe Kasseler IHK-Sonderberaterin und iuba-Mitarbeiterin Alexandra Sterzik schnell und unbürokratisch gelöst werden.

Um den Erfolg zu feiern, kam Minister Rhiel am 5.8. persönlich nach Kassel, um dem Unternehmer zu danken und ihm eine Urkunde zu überreichen. An der Ehrung nahmen auch der Kasseler Geschäftsführer Dr. Walter Lohmeier und der Kasseler Ausländerbeirat Kamil Saygin teil. Dr. Lohmeier bezeichnete Haddadi als „Leuchtturm“ in Sachen Ausbildung, dessen Beispiel Schule machen sollte. Etwa 100 weitere Ausbildungsplätze könnten nach Einschätzung des Kasseler IHK-Geschäftsführers im Regierungsbezirk Kassel im Rahmen von iuba bis 2007 noch geschaffen werden.

Esfandiar Haddadi sieht Ausbildung in jedem Fall als eine „sehr, sehr gute Investition in die Zukunft. Denn wer ein Geschäft mehr als fünf Jahre betreiben will, der kann auf Dauer nicht nur die ganze Familie mit einbeziehen. Der kann an Ausbildung nicht vorbeigehen und muss für qualifizierten Nachwuchs sorgen.“

Und weil mit Unterstützung von „iuba“ alles so gut geklappt hat, denkt Haddadi bereits darüber nach, noch einen dritten Azubi dazu zu nehmen.