Erfolge des Projekts IUBA wegweisend für andere Bundesländer IHK Frankfurt und Bundesbildungsministerium wollen internationale Unternehmen zu mehr Berufsausbildung animieren
Auf Einladung der Industrie- und Handelskammer Frankfurt am Main, des Projektes IUBA und des parlamentarischen Staatssekretärs im Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF), Andreas Storm, fand am 06.12.2006 in den Räumen der IHK eine Tagung mit Vertretern internationaler Unternehmen zum Thema Berufsausbildung als Mittel erfolgreicher Personalgewinnung statt.
Dagmar Bollin-Flade, Vizepräsidentin der Industrie- und Handelskammer Frankfurt am Main
Andreas Strom, Parlamentarischer Staatssekretär im Bundesministerium für bildung und Forschung
Martina Widmer, General Manager Administratio, Yaskawa GmbH, Schwalbach
Dr. Lu, Geschäftsführer M&L Trading and Travel Service, Frankfurt am Main
Dr. Raetting, Vorsitzender des Aufsichtsrats Morgan Stanley Bank AG, Frankfurt am Main
Dr. Sikand, Geschäftsführer Airport Domizil Hotel, Mörfelden-Walldorf
Dr. Ting, General Manager Bank of China, Niederlassung Frankfurt
Nader Djafari, Geschäftsführer INBAS GmbH, Offenbach
In seiner Eröffnungsrede betonte Staatssekretär Storm die besondere Bedeutung der betrieblichen Berufsausbildung in Deutschland. "Weit mehr als die Hälfte aller Jugendlichen (58 %) absolvieren eine Ausbildung in einem der rund 340 bundesweit staatlich anerkannten Ausbildungsberufe." Angesichts des aber weiterhin unausgewogenen Verhältnisses zwischen Lehrstellenbewerbern und angebotenen Ausbildungsplätzen müssten Politik und Wirtschaft jedoch weitere Anstrengungen unternehmen, jedem Jugendlichen, der kann und will, eine Ausbildungsmöglichkeit anzubieten. Er appelliere daher auch an die in Deutschland tätigen ausländischen Unternehmen, ihr Engagement in der Berufsbildung zu verstärken. "Hiervon profitieren nicht nur die Jugendlichen, sondern auch die Unternehmen selbst", betonte Storm, "wer heute ausbildet, investiert in die Fachkräfte von morgen." Ziel der Bundesregierung sei es, bis zum Jahr 2010 bei ausländischen Unternehmen bis zu 10.000 neue Ausbildungsplätze zu schaffen. Die Bundesregierung sei hierbei mit zahlreichen unterstützenden Maßnahmen behilflich.
Stolze Bilanz in Hessen: Mehr als 1500 neue Ausbildungsplätze in fünf Jahren
Storm erwähnte auch, dass die in Hessen erreichte Zahl ein Viertel der bundesweit gezählten neu gewonnenen Ausbildungsplätze in internationalen Unternehmen ausmacht. Dagmar Bollin-Flade, Vizepräsidentin der IHK Frankfurt am Main, wies ebenfalls auf die erfolgreiche Arbeit des von den hessischen IHKs und des Instituts für berufliche Bildung, Arbeitsmarkt- und Sozialpolitik (INBAS GmbH) durchgeführten Projekts IUBA (Internationale Unternehmen bilden aus) hin. Dank des von der hessischen Landesregierung und Mitteln der EU finanzierten Projektes seien in Hessen seit 2001 bereits über 1.500 Ausbildungsplätze in ausländischen Unternehmen geschaffen worden.
Hierbei handelte es sich bislang vornehmlich um Unternehmen mit Inhabern türkischer Herkunft oder aus den EU-Staaten. Mit dieser Tagung wolle die Frankfurter IHK ihre Aktivitäten auch auf in Deutschland tätige asiatische und amerikanische Unternehmen ausweiten. "Wir haben hier etwa 250 japanische, genauso viele chinesische, über 300 koreanische und über 200 indische Unternehmen im IHK-Bezirk. Dazu kommen noch über 900 amerikanische Unternehmen. Denen wollen wir die duale Berufsbildung als Instrument strategischer Personalplanung schmackhaft machen", erklärte Bollin-Flade. Der Raum Frankfurt mit seinem internationalen Großflughafen und seinen ausgezeichnete Infrastruktur biete diesen Unternehmen eine hervorragende Basis, um in Deutschland und Europa erfolgreich zu operieren. Die verstärkte Beteiligung an der Berufsausbildung in einem staatlich anerkannten Ausbildungsberuf festige diese Basis auch in personalwirtschaftlicher Hinsicht. Allerdings wollte Bollin-Flade auch die Schwierigkeiten klar benennen: "Viele internationale Unternehmen kennen unser Ausbildungssystem nicht. Das heißt für uns: Klinkenputzen, Informieren, Überzeugen und die Unternehmen durch alle Phasen der Ausbildung intensiv begleiten. Unsere Erfahrungen mit IUBA zeigen, dass wir einen langen Weg antreten. Wir brauchen deshalb eine realistische Einschätzungen des Ausbildungspotenzials von Internationalen Unternehmen und neue Instrumente der Ansprache."
Vermittler zwischen den Kulturen nötig
In der anschließenden Diskussion zeigte sich, dass in der Tat bei den Vertretern vieler internationaler Unternehmen noch Überzeugungsarbeit zu leisten ist. Gerade bei chinesischen Unternehmen sei zum einen das duale System noch weitgehend unbekannt, zum anderen seien oft große Sprachbarrieren zu überwinden, erläuterten Dr. Ting, General Manager der Frankfurter Niederlassung der Bank of China und Dr. Xiangping Lu, Geschäftsführer der M&L Trading and Travel Service in Frankfurt. Dr. Lutz Raettig, Vorsitzender des Aufsichtsrats der Morgan Stanley Bank AG in Frankfurt, beschrieb, dass seine Bank ihr Personal an internationalen Eliteuniversitäten rekrutiere. Dass das deutsche Ausbildungssystem ebenfalls hoch qualifizierte Fachkräfte hervorbrächte und für viele Tätigkeiten – gerade auf der mittleren Ebene – in Deutschland kein Studium nötig sein, sei bei amerikanischen Firmen kaum bekannt, obwohl während der Clinton-Administration Versuche gestartet worden seien, Aspekte des "German Vocational Trainings" in USA einzuführen.
Martina Widmer, General Manager Administration bei der Yaskawa GmbH in Schwalbach, beschrieb, wie viel Überzeugungsarbeit sie leisten musste, bis es ihr gelang, das japanische Management ihrer Firma davon zu überzeugen, dass es sich für das Unternehmen lohne, Nachwuchskräfte selbst auszubilden. "Erst mithilfe von Kulturvereinen ist es uns gelungen, das System plausibel zu machen", so Widmer. Heute sieht die Firma Ausbildung als eine gute Möglichkeit, Fachkräfte mit genau den Spezialkenntnissen zu bekommen, die sie braucht. "Wir bei Yaskawa bilden nicht für den Markt aus, sondern für uns selbst: Azubis werden nach der Ausbildung in aller Regel auch übernommen."
Auch Schulen und Jugendhilfeeinrichtungen sind gefragt
Dr. Ajit Sikand wies darauf hin, das auch die Jugendlichen heute nicht immer die optimalen Voraussetzungen für eine Berufsausbildung mitbrächten. Ihre Motivation, ihre Vorkenntnisse und ihrer Beruforientierung lasse oft zu wünschen übrig, so der Geschäftsführer des Airport Domizil Hotels in Mörfelden-Waldorf. Das bestätigte auch Dr. Carl Voigt, Vizepräsident der Industrie- und Handelskammer Frankfurt. "Ich wünsche mir, wieder mehr Jugendlichen zu begegnen, die mit Begeisterung in eine Ausbildung gehen und Spaß daran haben, ihr Potenzial zu entwickeln." Hier seien auch die Schulen und die berufsvorbereitenden Einrichtungen gefragt.
Nader Djafari, Geschäftsführer der INBAS GmbH und Projektpartner der IHK Frankfurt bei der Umsetzung des Projektes IUBA, wies in seinem Schlusswort nochmals ausdrücklich darauf hin, dass für die Vermittlung der Vorteile des dualen Systems in eine andere Kultur mehr nötig sei als eine wörtliche Übersetzung der Rahmenbedingungen. Die gesamte Community der in Deutschland lebenden Vertreter eines Landes sei gefragt, ihre Ressourcen dafür einzusetzen, dass in Zukunft noch mehr internationale Unternehmen jungen Leuten die Chance auf eine hoch qualifizierte Berufsausbildung bieten.






